KarriereFür Talente06. Juli 2026·3 Min. Lesezeit

Passiv suchen, aktiv wechseln – die klügere Strategie für Fachkräfte im Finanzwesen

Jeremias Bär
Jeremias Bär
Talent Scout & Co-Founder talentgate
Fachkraft im Finanzwesen freut sich am Laptop über eine neue Karrierechance durch passive Jobsuche

Es gibt einen inneren Zustand, den viele Arbeitnehmende kennen, aber selten laut aussprechen: Man ist bei seiner Tätigkeit nicht wirklich unzufrieden. Die Arbeit läuft. Das Team ist in Ordnung. Und trotzdem fragt man sich gelegentlich, was woanders möglich wäre. Um tatsächlich etwas dagegen zu unternehmen, dafür fehlt der Druck. 

Der prozentuale Anteil der Fachkräfte in der Schweiz, die sich in diesen Zeilen widerspiegelt sehen, ist frappant. Stolze 65 % der Fachkräfte ziehen gemäss einer Arbeitsmarktumfrage des Personalvermittlers Robert Walters einen Jobwechsel in Betracht.¹ Demgegenüber ist, trotz wachsender Unzufriedenheit, nur jede fünfte beschäftigte Person aktiv auf Stellensuche.² Diese Diskrepanz zwischen Wechselbereitschaft und aktivem Handeln ist kein Widerspruch, was dieser Artikel erklärt. 

1. Was passive Jobsuche bedeutet

Ist man passiv auf Jobsuche, sucht man nicht selbst nach einem neuen Job, sondern der neue Job findet einen. Statt Jobportale zu durchstöbern, Bewerbungsschreiben zu verfassen und lange auf Rückmeldungen zu warten, sorgt man dafür, dass die richtigen Personen auf die eigene Qualifikation aufmerksam werden. Die Initiative zur Kontaktaufnahme geht somit vom Unternehmen oder von einem Vermittler aus und nicht von einem selbst.³ 

Diese Rollenumkehr ist kein passives Warten. Es ist kein Nichtstun. Sie erfordert vielmehr eine klare Positionierung und die Bereitschaft, sich auf professionellen Netzwerken, über Empfehlungen oder in kuratierten Talentpools zu zeigen. Wer diese Sichtbarkeit erst einmal aufgebaut hat, ist im richtigen Moment greifbar, ohne täglich Zeit in die Stellensuche zu investieren. 

2. Fünf Vorteile der passiven Jobsuche

2.1 Diskretion gegenüber dem aktuellen Arbeitgeber

Der grösste Vorteil liegt auf der Hand: Für den aktuellen Arbeitgeber ist es nicht sichtbar, wenn man passiv sucht. Kein Arbeitskollege wundert sich über den eleganteren Kleidungsstil als sonst. Kein Vorgesetzter stellt unangenehme Fragen. Für Fachkräfte in einem laufenden Arbeitsverhältnis ist die passive Suche bei Weitem diskreter als die aktive.⁴

2.2 Zugang zum verdeckten Stellenmarkt

Rund zwei Drittel aller freien Stellen werden gar nicht öffentlich ausgeschrieben, sondern über persönliche Kontakte und Empfehlungen besetzt.⁵ Wer ausschliesslich auf Jobportale setzt, sieht damit nur einen Bruchteil des tatsächlichen Angebots. Die interessanten Stellen sind schon vorher vergeben worden. Passive Jobsuche – insbesondere über kuratierte Netzwerke und direkte Ansprache durch Personalverantwortliche – eröffnet oft Zugang zu genau jenen Stellen, die nie ein Inserat erhalten. 

2.3 Stärkere Verhandlungsposition

Wer gesucht wird, sieht sich nicht mit vielen Mitbewerber:innen konfrontiert, gegen die es sich durchzusetzen gilt. Das verändert die Dynamik einer Verhandlung grundlegend, weil die Nachfrageseite beim Unternehmen und nicht bei einem selbst liegt. Man wirkt begehrenswerter. Dadurch können Gehalt und Bedingungen deutlich selbstbewusster verhandelt werden als jemand, der sich aktiv bewirbt.³  

2.4 Kein Zeitdruck, keine falschen Entscheidungen

Aktive Jobsuche erzeugt Druck. Wer kündigt oder unzufrieden ist, neigt dazu, das erste vernünftige Angebot anzunehmen. Auch wenn es nicht wirklich passt. Passive Jobsuche eliminiert diesen Druck vollständig. Man kann Angebote in Ruhe prüfen und vergleichen. Man kann ohne Druck ablehnen und weiter zuwarten, wenn es nicht ganz passt. Der nächste Schritt kommt, wenn er wirklich Sinn ergibt. 

2.5 Eigenen Marktwert kennenlernen

Viele Fachkräfte schätzen ihren Marktwert falsch ein. Nach oben wie auch nach unten. Eine passive Jobsuche wirkt dem entgegen und liefert eine ungefilterte Rückmeldung: Wer wie oft angesprochen wird und für welche Positionen – diese Informationen sind ein Indikator für den aktuellen Marktwert der Fachkraft. Sie sind für eine ehrliche Einschätzung wertvoll, und zwar unabhängig davon, ob man tatsächlich wechselt oder nicht. 

3. Warum die passive Jobsuche für Finanzprofile besonders gut funktioniert

Passive Jobsuche funktioniert nicht in jeder Branche gleich gut. Dort, wo Unternehmen aus einem grossen Überschuss an Bewerbungen profitieren können, haben diese keinen Anreiz, aktiv auf die Suche zu gehen.  

Im Finanz- und Rechnungswesen sind die Verhältnisse aber umgekehrt. Hier müssten gemäss XING Bewerbungsreport 2025 für eine passende Stellenbesetzung mehr Bewerbungen eingehen, als ein Inserat durchschnittlich überhaupt anzieht.⁶ Kurzum gehen bei Finanzprofilen durchschnittlich zu wenige Bewerbungen ein, um die Stelle zufriedenstellend besetzen zu können. Unternehmen müssen sich daher aktiv auf die Suche begeben, weil sie kaum eine andere Wahl haben. Damit sind qualifizierte Fachkräfte mit einschlägiger Erfahrung in Buchhaltung oder Controlling gesucht.  

Was das für Sie bedeutet:

Wenn Sie mehrere Jahre Erfahrung im Finanz- und Rechnungswesen mitbringen, sind Sie auf dem Arbeitsmarkt eine gesuchte Fachkraft. Unternehmen, die eine solche Stelle besetzen wollen, sind bereit, aktiv nach jemandem zu suchen. Sie sind zudem häufig dazu bereit, attraktivere Bedingungen zu bieten. 


4. Wie passive Jobsuche in der Praxis funktioniert

Passive Jobsuche ist kein Zufallsprozess. Wer gefunden werden will, muss sichtbar sein. Das bedeutet aber  nicht zwingend, öffentlich auf die eigene Stellensuche hinzuweisen. Es gibt verschiedene Wege, die sich je nach Situation unterschiedlich gut eignen: 

  • Professionelle Netzwerke pflegen: Ein aktuelles und vollständiges Profil auf LinkedIn oder XING ist die Basisvoraussetzung, weil Recruiter:innen und Personalverantwortliche diese Plattformen täglich nach passenden Kandidat:innen durchsuchen. Bereits kleinere Anpassungen, wie beispielsweise aktualisierte Positionen oder klare Beschreibungen der eigenen Tätigkeitsschwerpunkte, erhöhen die Auffindbarkeit spürbar. 

  • Persönliches Netzwerk anzapfen: Persönliche Empfehlungen gehören zu den wirksamsten Möglichkeiten, um auf interessante Stellen aufmerksam zu werden. Wer Kontakt zu früheren Kolleg:innen, Vorgesetzten und Branchenbekannten hält, ist im richtigen Moment im Gespräch, ohne sich öffentlich als suchend zu präsentieren. 

  • Talentpools nutzen: Eine diskrete, besonders zielgerichtete und wenig aufwändige Form der passiven Jobsuche sind kuratierte Talentpools. Auf einer solchen Plattform werden vorab gefilterte Fachkräfte mit einem individuellen Dossier ausgewählten Unternehmen vorgestellt. Ohne ungewollte Sichtbarkeit und ohne eigene Bewerbungsaktivität. Die Initiative liegt beim Pool-Betreiber und den suchenden Unternehmen. Weitere Informationen über kuratierte Talentpools und wie sich diese von herkömmlichen Pools unterscheiden finden Sie in unserem Blog 'Was «kuratiert» bedeutet und warum nicht jeder Talentpool identisch ist'.

5. Wie talentgate eine passive Jobsuche unterstützt

talentgate ist der kuratierte Talentpool für das Finanz- und Rechnungswesen in der Ostschweiz. Fachkräfte, die in den Pool aufgenommen werden, suchen nicht aktiv. Sie machen sich sichtbar für die richtigen Unternehmen – diskret, ohne Druck, ohne Risiko, ohne grossen Aufwand und auf Augenhöhe.  

Der Prozess ist einfach und für Sie, als Talent, kostenlos:  

  • Bei einem ersten persönlichen Gespräch erstellen Sie mit talentgate ein aussagekräftiges Dossier, welches auch Ihre persönlichen Bedürfnisse widerspiegelt.  

  • Anschliessend wird Ihr Talentprofil freigeschaltet und ist in der Suche für Arbeitgeber verfügbar. Sie selbst haben die Kontrolle und schliessen Unternehmen (bspw. Ihr aktueller Arbeitgeber) aus. So bleibt Ihre Jobsuche diskret. 

  • Überzeugt Ihr Profil werden Sie kontaktiert. Bei gegenseitigem Interesse, finden ein erstes Kennenlernen und gegebenenfalls weitere Gespräche direkt zwischen Ihnen und dem Unternehmen statt.  

  • Regelmässige Touchbase-Gespräche mit talentgate stellen sicher, dass Ihre Profil im Pool fortlaufend aktuell abgebildet ist. Ändert sich eine Variable, wie beispielsweise Ihre Wechselbereitschaft, Ihre Gehaltsvorstellung oder Ihre Verfügbarkeit, wird dies angepasst. So werden Sie nicht basierend auf veralteten Informationen kontaktiert. 

So werden Sie diskret gefunden, anstatt zu suchen - eine ideale Unterstützung für Ihre passive Jobsuche. 

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Jeremias Bär
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Aron Büche
Aron Büche
Co-Founder talentgate