Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Jobwechsel?


Fast niemand stellt sich diese Frage zum ersten Mal. Im Gegenteil. Die meisten haben sich dies schon oft gefragt. Sei es an einem langen Montag, nach einem frustrierenden Gespräch mit Vorgesetzten oder nach einem Blick auf das Gehalt eines Bekannten in einem anderen Unternehmen. Und die meisten haben diese Frage schon oft wieder beiseitegelegt, weil der Alltag weiterging.
Gemäss einer aktuellen Studie von Stepstone denken 68 % der Beschäftigten regelmässig über einen Jobwechsel nach. Das ist ein Anstieg von 15 % gegenüber 2021.¹ Gleichzeitig zeigen Gallup-Daten, dass trotz wachsender Unzufriedenheit nur jede fünfte beschäftigte Person in der Schweiz aktiv auf Stellensuche ist – obwohl fast jede zweite meint, der Zeitpunkt für einen Wechsel wäre gut.² Der Grund, weshalb man zwar über einen Wechsel nachdenkt, aber dann doch nicht den entscheidenden Schritt geht, ist selten ein rationaler. Häufiger ist es schlicht die Unsicherheit, ob die Signale stark genug sind, den nächsten Schritt zu wagen.
Dieser Artikel gibt fünf Signale an die Hand, die für einen Wechsel sprechen, und offenbart ein wichtiger Gegencheck mit einem praktischen Hinweis, wann innerhalb des Jahres der günstigste Moment ist, denn der Markt hat saisonale Rhythmen.
1. Zwei Motive für einen Jobwechsel
Wer einen Job wechselt, tut das aus einem von zwei Motiven: Man möchte einfach nur weg oder man hat etwas Spannendes in Aussicht. Beides ist legitim.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Dringlichkeit der Situation, die sich allerdings häufig nachteilig auf die Entscheidungsqualität der wechselwilligen Person auswirkt. Denn wer aus einer gewissen Dringlichkeit heraus wechselt, neigt dazu, das erste einigermassen passable Angebot anzunehmen. Die Erleichterung über den Ausstieg überlagert die Frage, ob das Neue auch wirklich passt. Wer dagegen proaktiv wechselt, ohne unmittelbaren Druck, kann abwägen, vergleichen, allenfalls nochmals etwas zuwarten und sich in Ruhe entscheiden.
Das bedeutet nicht, dass man auf die optimalen Bedingungen warten soll, bevor man handelt. Es bedeutet vielmehr, dass man möglichst frühzeitig die richtigen Signale erkennen sollte, um die Qualität des nächsten Jobs wesentlich beeinflussen zu können. Diese Signale werden im folgenden Kapitel beleuchtet.
2. Fünf Signale, die für einen Wechsel sprechen
Signal 1: Ihre Karriere steht seit mehr als zwei Jahren still
Karriere bedeutet nicht zwingend Beförderung. Sie bedeutet Wachstum: neue Aufgaben, grössere Verantwortung, neue Kompetenzen. Wer nach einem Jahr ehrlich sagen kann «Ich habe mich beruflich weiterentwickelt», ist auf gutem Kurs. Wer nicht zu diesem Schluss kommt, sollte diese Feststellung aus dem folgenden Grund ernst nehmen:
Stillstand ist ein besonders schleichender Zustand, weil er sich anfangs angenehm anfühlt. Man kennt die Abläufe, die Anforderungen sind vertraut und der Aufwand hält sich in Grenzen. Erst nach einiger Zeit wird spürbar, was eigentlich fehlt: die Herausforderung, die einen weiterbringt und einem eine gewisse Befriedigung gibt. Dieser Stillstand ist fatal: Unbemerkt sinkt der eigene Marktwert, weil er ohne Wachstum still und leise abnimmt.³
Konkrete Frage zur Selbstreflexion: Welche neue fachliche Kompetenz haben Sie in den letzten zwölf Monaten erworben? Wenn die Antwort vage bleibt, ist das ein Signal.
Signal 2: Ihr Gehalt entspricht nicht mehr dem Markt
Für 57 % der Schweizer Fachkräfte ist das Gehalt der wichtigste Wechselgrund, wie eine Umfrage von Robert Walters feststellt.⁴ Das ist keine Überraschung. Hinter dieser Zahl steckt allerdings oft ein noch relevanterer Fakt: Viele stellen erst beim Wechsel fest, wie weit ihr Gehalt vom Markt tatsächlich entfernt war.
Im Finanz- und Rechnungswesen sind Gehaltssprünge bei einem Stellenwechsel von 10 bis 20 % keine Seltenheit. Dies gilt insbesondere für erfahrene Fachkräfte mit spezifischen Kenntnissen in Bereichen wie Konsolidierung, Controlling oder regulatorischem Reporting. Wer jahrelang im selben Unternehmen bleibt, erhält zwar durchaus Gehaltserhöhungen, die allerdings oftmals der Marktentwicklung nicht hinreichend Rechnung tragen.
Konkrete Frage zur Selbstreflexion: Wissen Sie, was vergleichbare Fachkräfte in der Region aktuell verdienen?
Signal 3: Sie haben innerlich bereits gekündigt
Innere Kündigung ist ein Begriff aus der Arbeitspsychologie. Er beschreibt einen Zustand, in dem jemand physisch anwesend ist, aber emotional und mental längst auf Distanz gegangen ist. Man erledigt zwar, was verlangt wird, aber ohne Engagement, ohne Eigeninitiative, ohne den Wunsch, etwas besser zu machen.
Dieser Zustand ist für alle Beteiligten nicht zufriedenstellend. Er entsteht laut Forschung häufig dann, wenn man über längere Zeit das Gefühl hat, nicht gehört, nicht gefordert oder nicht wertgeschätzt zu werden.⁵ Innere Kündigung ist selten eine bewusste Entscheidung. Sie ist eine Schutzreaktion des eigenen Systems auf eine Situation, die der Körper nicht mehr erträgt.
Konkrete Fragen zur Selbstreflexion: Sind Sie nur noch ausführend, ohne mehr geben und die Initiative ergreifen zu wollen? Führt bei Ihnen die Vorstellung, noch zehn Jahre in dieser Position zu bleiben ein Aufbruchsgefühl oder Beklemmung aus?
Signal 4: Die Führung passt nicht mehr
43 % der befragten Schweizer Fachkräfte nennen mangelnde Führungsqualität als den entscheidenden Wechselgrund.⁴ Das ist ein bemerkenswert hoher Anteil und bestätigt, was in Gesprächen über Jobwechsel regelmässig auftaucht: Man verlässt selten ein Unternehmen. Man verlässt vielmehr eine Führungskraft.
Führung, die einem nicht passt, kann unterschiedliche Ursachen haben: Micromanagement, das kein Vertrauen lässt. Fehlende Entwicklungsgespräche, die keine Perspektive geben. Kommunikation, die nicht ehrlich oder nicht respektvoll ist. Entscheidungen, die nicht nachvollziehbar sind. Natürlich kann jede dieser Situationen temporärer Natur sein. Wenn sie aber über Monate oder Jahre zum Grundmuster wird, ist das ein strukturelles Mismatch.
Wichtig: Nicht jede schwierige Führungssituation ist ein Wechselgrund. Manchmal hilft ein offenes Gespräch oder eine Versetzung innerhalb des Unternehmens. Wer aber realisiert, dass sich trotz solchen Versuchen nichts ändert und die Energie täglich sinkt, ist mit einer Führungssituation konfrontiert, die sich innert nützlicher Frist nicht ändern lässt.
Konkrete Fragen zur Selbstreflexion: Sind Sie mit der aktuellen Führungssituation zufrieden? Werden Sie gehört, gefördert und respektvoll behandelt? Wenn nein, haben Sie bereits Versuche unternommen, etwas daran zu ändern und war dies erfolgsversprechend?
Signal 5: Ein Angebot erscheint, das Sie nicht ignorieren können
Manchmal kommt der Wechsel nicht von Inneren, sondern von aussen. Ein Anruf, eine Nachricht, ein Gespräch, das eine Tür öffnet, obwohl man sich gar nicht damit beschäftigte, dass es möglicherweise Zeit für einen Jobwechsel ist. Für passiv suchende Fachkräfte, die in einem Talentpool präsent sind, ist das keine seltene Situation.
Entscheidend ist, solche Momente nicht reflexartig abzuwehren. Viele lehnen ab, ohne genauer hinzuschauen; sei es aus Loyalität, aus Bequemlichkeit oder aus der Sorge, dass ein Wechsel zu aufwändig wäre.
In solchen Momenten ist es wichtig, sich folgendes bewusst zu machen: Ein Erstgespräch ist keine Verpflichtung. Es ist Informationsgewinn ohne jeglichen Nachteil.
Konkrete Fragen zur Selbstreflexion: Wurde Ihnen kürzlich ein interessantes Angebot unterbreitet? Wenn nein, sind Sie nicht neugierig, ab und an solche Angebote zu erhalten?
3. Was kein Wechselgrund ist
Aufgrund dieser fünf Signale könnte man meinen, fast jede Unzufriedenheit sei ein Hinweis auf einen nötigen Wechsel. Aber das stimmt natürlich nicht.
Schwierige Wochen gibt es in jedem Job. Schwierige Projekte, Konflikte, Zeiten von Überlastung oder Unterforderung. Solche Phasen sind normale Bestandteile eines Arbeitslebens, die dazu gehören. Der Unterschied zwischen temporärer Unzufriedenheit und einem strukturellen Mismatch liegt in der Dauer der Phase und in der Frage, ob sich etwas grundlegend ändern kann oder nicht.
Eine einfache Orientierungsfrage:
Ist das, was mich stört, ein Problem der aktuellen Phase oder ein grundsätzliches Problem dieser Arbeitsstelle?
Wenn sich eine Situation nach einem offenen Gespräch, einem Projektwechsel oder einer Weiterbildung wieder verbessert, war es kein Mismatch. Wenn sich aber nach mehreren Versuchen nichts verändert und der Gedanke ans Bleiben schwerer wird als der Gedanke ans Gehen, deutet das auf etwas Strukturelles hin.
Ein Jobwechsel aufgrund einer temporären Unzufriedenheit ist oft einer, den man später bereut. Um dies zu vermeiden, hilft in solchen Situationen eine ehrliche Auseinandersetzung mit der obenstehenden Orientierungsfrage. Erleichterung verschaffen kann zudem auch eine passive Jobsuche (mehr dazu in unserem Blogartikel: «Passiv suchen, aktiv wechseln - die klügere Strategie für Fachkräfte im Finanzwesen»). Denn wer wechselt, weil einem ein gutes Angebot vorgeschlagen wird – und nicht weil man einer schlechten Situation entfliehen möchte – trifft deutlich bessere Entscheidungen.
4. Wann innerhalb des Jahres der Markt am günstigsten ist
Wer weiss, dass ein Wechsel sinnvoll wäre, aber noch keinen endgültigen Schritt gemacht hat, profitiert von dem folgenden praktischen Hinweis: Der Schweizer Arbeitsmarkt hat saisonale Rhythmen.
Die aktivste Phase beginnt in den ersten drei Monaten des Jahres. Unternehmen starten mit neuen Budgets, offene Positionen aus dem Vorjahr werden freigegeben und Führungskräfte haben strategische Neubesetzungen im Kopf. Wer sich in dieser Phase in einem Talentpool befindet oder mit Personalverantwortlichen vernetzt ist, hat statistisch gesehen die grösste Auswahl.
Die zweite aktive Phase ist das Herbstquartal, September und Oktober. Viele Unternehmen wollen Positionen vor dem Jahresende besetzen, um mit vollständigen Teams ins neue Jahr zu starten. Auch hier lohnt sich eine rechtzeitige Positionierung.
Sommer und Jahresende sind traditionell ruhiger. Entscheidungen werden aufgeschoben, Ferienabwesenheiten bestehen, Interviewtermine sind schwerer zu koordinieren. Wer im Sommer über einen Wechsel nachdenkt, ist gut aufgestellt, wenn er seine Signale auswertet und sich gegebenenfalls für die Herbstphase vorbereitet.
5. Was der erste konkrete Schritt sein kann
Die Antwort auf die Frage «Wann ist der richtige Zeitpunkt?» lautet häufig «Jetzt noch nicht ganz.» Das ist fast immer eine Form der Unsicherheit, keine sachliche Einschätzung. Denn wenn mehrere der beschriebenen Signale zutreffen und sie über Monate anhalten, ist «noch nicht» meist nicht mehr Vorsicht. Es ist ein Zögern vor dem nächsten Schritt.
Der erste Schritt muss aber keinesfalls ein drastischer sein. Er kann beispielsweise darin bestehen, sich in einem kuratierten Talentpool zu positionieren. Ohne aktiv zu suchen, ohne die aktuelle Stelle zu kündigen und ohne etwas zu überstürzen (mehr dazu in unserem Blogartikel: «Was ein kuratierter Talentpool ist und wie dieser funktioniert»). Wer in einem solchen Pool präsent ist, erfährt ohne Bewerbungsmarathon, was der Markt für einen bereithält.
talentgate macht genau das möglich: ein persönliches Gespräch, ein aussagekräftiges Dossier, diskrete Präsenz bei Unternehmen, die konkret suchen. Kein Druck, keine Verpflichtung. Und im richtigen Moment die Möglichkeit zu sagen: Ja, das passt. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt.



